Lapilli vom Eldborg-Vulkankrater (Island)


Ein Kollege brachte mir aus Island einen Lapilli-Pyroklasten vom Eldborg-Vulkankrater mit. Island liegt auf dem Mittelatlantischem Rücken, der normalerweise unter Wasser liegt und mit seinen vielen Unterwasservulkanen neue ozeanische Lithosphäre bildet (seafloor-spreading). Der Ost- und Westteil der Insel befinden sich auf divergierenden Kontinentalplatten, sie driften im Jahr um ca. zwei Zentimeter auseinander. In Island lassen sich daher prima sonst latente „Neulandentstehungsprozesse“ beobachten.

Eldborg-Krater auf Island
Eldborg-Vulkankrater auf Island

Man nimmt an, daß der letzte Ausbruch des Eldborg vor 5.000 – 9.000 Jahren stattfand. Geografisch ist der Krater im Westen der Insel gelegen.

Ein kurzes Video mit Blick in den Krater:

Pyroklasten entstehen, wenn flüssige Lava durch hohen Gasdruck aus dem Schlot geschleudert wird. Ähnlich wie beim Entfernen eines Sektkorkens, kommt es durch die Druckentlastung zum Ausgasen, was eine starke Volumenzunahme bewirkt und das Gas-Lava-Gemisch zur Krateröffnung drückt. Dort ist dann eine uneingeschränkte Expansion möglich.

Während des Fluges verformt sich die Lava weiter und kühlt sich dabei ab. Abhängig von der Restwärme kann das Gestein am Boden mit anderem Gestein verbacken und sich noch weiter verformen. So aufgeschichtet kommt es zur Bildung eines so genannten Schweißschlackenkegel, der sehr viel steiler als ein Aschekegel ausfällt. In der Übersetzung bedeutet Eldborg wörtlich „Feuerburg“ und ist die isländische Bezeichnung für diesen Vulkantyp.

Aus Sorge um den möglichen Abtrag des Vulkans wurde nur ein kleiner Pyroklast mitgebracht und zum Dünnschliff verarbeitet. Er wurde mit UV-Kleber auf einem Objektträger des Giessener Formats aufgeklebt.

Dünnschliff Eldborg Vulkankrater, Buehler Schleifmaus
Dünnschliff Eldborg Vulkankrater, Buehler Schleifmaus

Nach dem Schleifen ist der immense Hohlraumanteil gut zu sehen, die Schliffdicke beträgt ca. 30µm:

Dünnschliff Eldborg Vulkankrater
Dünnschliff Eldborg Vulkankrater

Unter dem Mikroskop fallen bei 32-facher Vergrößerung die größeren Minerale in der Bildmitte auf. Es sind Olivine, die häufigsten Silikate (Orthosilikat) und gesteinsbildenden Minerale des oberen Erdmantels. Bei der Abkühlung von Magma bilden Eisen und Magnesium das Olivin. Der steigende Anteil an Aluminium bedingt die Ausscheidung der calciumreichen Feldspäte, diese sind bei der 125-fachen Vergrößerung (XPL) als verzwillingte grau-weiße Leisten zu erkennen.

Dünnschliff Eldborg Vulkankrater
Dünnschliff Eldborg Vulkankrater
Dünnschliff Eldborg Vulkankrater
Dünnschliff Eldborg Vulkankrater

Bei 125-facher Vergrößerung sind bräunliche Streifen im Olivin zu erkennen. Unter Wasseraufnahme beginnt dort die Bildung eines neuen Minerals namens Serpentinit (Serpentinisierung).

Dünnschliff Eldborg Vulkankrater, Olivin
Dünnschliff Eldborg Vulkankrater, Olivin
Dünnschliff Eldborg Vulkankrater, Olivin
Dünnschliff Eldborg Vulkankrater, Olivin