Polmikroskop Jenalab-pol d

Als das Kombinat Carl Zeiss Jena 1982 mit den neuen Unendlichobjektiven 250CF auf den Markt kam, fanden diese zuerst an den neuen „Flagschiffen“, wie dem Jenaval, Jenavert, Jenatech, Jenamed oder Jenapol Anwendung.

Das Jenalab-pol, als Polarisationsmikroskopvariante des Jenalab, folgte nur wenige Jahre später (ca. 1985) und wurde in einem Zweigbetrieb in Rathenow produziert. Dort erfolgte die rein mechanische Fertigung und Komplettierung mit der aus Jena zugelieferten Optik. Konzipiert wurde es als Standard- und Routinemikroskop der Geowissenschaften. Sein großer Bruder war das Forschungsmikroskop Jenapol.

Bis zur Liquidierung von Carl Zeiss Jena wurden ungefähr 500 Jenalab-pol produziert. Verglichen mit den Verkaufszahlen des Zeiss-Standard-Polmikroskops sind das verschwindend geringe Zahlen. Was dieses Mikroskop allerdings interessant macht, ist seine unglaubliche Vielseitigkeit und Ausbaufähigkeit durch umfangreiches Zubehör.

Grund genug es in diesem Beitrag näher vorzustellen.

Stativ – Jenalab-pol d

Als reine Durchlichtvariante ist dieses Stativ für das klassische Hellfeld und auch die Durchlichtpolarisationsmikroskopie geeignet, bspw. der  Bestimmung lichtdurchlässiger Minerale im Dünnschliff, Dünnschnitte von Polymeren u.v.m.

Jenalab-pol d
Werbeprospekt, Carl Zeiss Jena Druckschrift Nr. 30-0527-1

Grundausstattung

Bis auf die Kunsstoffabdeckungen der Handauflageflächen gleicht das Grundstativ dem des Laboval IV. Wie auch bei dort wurde mit der Einsparung der Leuchtfeldblende an der Lichtaustrittsöffnung auf eine vereinfachte Köhlerbeleuchtung gesetzt. In der Praxis ergeben sich dadurch keine offensichtlichen Nachteile. In die Aussparung der Lichtaustrittsöffnung wird der Konversionsfilter C311 (D12) eingelegt. Es handelt sich dabei um einen Tageslichtfilter, der bei schwacher Beleuchtungsstärke den Rotanteil verringert.

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Lichtaustrittsöffnung

Für den Anwender macht durchaus Sinn, sich einen zusätzlichen Filter für die Lichtaustrittsöffnung zuzulegen. Unter gekreuzten Polfiltern wird die Lichtintensität häufig stark erhöht und langwelliges rotes Licht, welches nicht absorbiert wird, tritt hindurch. Das kann Probleme bei einigen Mikroskopiekameras verursachen, sofern dort kein entsprechender IR-Filter vorhanden ist.

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UV/IR Cut-Filter

Ich habe einen UV/IR Cut-Filter zugelegt, den es zum damaligen Zeitpunkt nicht mit 32 mm Durchmesser gab und ihn mit einem Messing-Adpaterring angepasst. Mit diesem Filter wird der Bereich <400 nm und >700 nm beschnitten.

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Binotubus-pol (Carl Zeiss Jena)

Betrachtungsseitig gab es zwei Tubusvarianten:

  1. binokularer Schiebetubus pol, später auch als binokularer Knicktubus pol
  2. monokularer Tubus pol

Beide wurden mit Okularen GF P 10x (18) pol, die binokulare Ausführung noch mit einer stellbaren Variante bestückt. Über den 2x vergrößernden 15° Winkeltubus pol, welcher mit der 0.5x vergrößernden Tubuslinse wieder auf 1x vergrößert, erfolgt die Anbringung ans Stativ. Es gibt die Winkeltuben in der Auführung u und d, die sich nur in der Brennweite der Bertrandlinse unterscheiden.

Drehtisch und Kondensor

Der Drehtisch wird über Grob- und koaxialem Feintrieb in der Höhe verstellt. Im Gegensatz zu einen „Standard-Hellfeld-Mikroskop“ lässt sich der Tisch über einen Klemmmechanismus zusätzlich über einen erweiterten Bereich in der Höhe verstellen. Notwendig wird dies bei der Verwendung des mehrachsigen Universaldrehtisches nach Fedorov oder der Betrachtung höherer Proben im Auflicht. Für eine so kleinen Drehtisch eher unüblich, besitzt der Tisch eine Feststellschraube für die Auslöschungsposition. Nach Anzug dieser sind zwei um 45° versetzte Rastpunkt aktiv, um die Additions- und Subtraktionsstellung einzustellen. Dabei braucht man nicht mal die Augen vom Okular zu nehmen, um die Gradzahl am Nonius des Tisches abzulesen.

Ebenfalls über eine Klemmung ist der höhenverstellbare Kondensor 1.25 pol befestigt. Eine Stellschraube für die Höhenverstellung ist nicht vorgesehen. Ebenso fehlt eine Zentriermöglichkeit des Kondensors. Er wird über drei Schrauben einmalig fixiert und benötigt danach im Prinzip auch keiner Korrektur mehr.

Der drehbare Polarisator besitzt zwei um 90° versetzte Rastpunkte und wird einfach in den Kondensor geschoben. Seine Abmessung ist größer als bspw. die der Phasenkontrastschieber des normalen Jenalab.

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Polarisator

Auf der Oberseite des Drehtisches lässt sich auch der Objektführer montieren. In der Praxis wird er wohl nur zum Stitchen mehrerer Photos zu einem größeren Anwendung finden. Er ist leider sehr groß und reicht recht sperrig über die Tischgrenzen hinaus.

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Objektführer

In der Mitte des Drehtisches befindet sich eine filigran gearbeitete Einlegeplatte aus Glas. Möchte man den Universaldrehtisch oder die Spindeleinrichtung verwenden, so muss die Einlegeplatte herausgenommen werden. Bei einer äußeren Randdicke von lediglich drei Millimetern, welche sich zur Öffnung in der Mitte noch weiter verringert, ist eine Beschädigung fast vorprogrammiert.

Fast drei Jahrzehnte nach Produktionsende ist die Verfügbarkeit der Glaseinlegeplatten zum Problem geworden. Für eine Ersatzplatte werden aktuell 50€ zuzüglich Versand verlangt, vor zehn Jahren waren es noch 35€.

Es ist daher nicht verkehrt sich von einer Dreherei eine Einlegeplatte aus Edelstahl anfertigen lassen. Für eine optimale Anpassung gibt man den Drehtisch gleich mit ab. Die Platte kann dann komplett eingeschliffen werden und sitzt exakt. Wie beim Original wurde die Unterseite konkav ausgedreht.

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links: Edelstahleinlegeplatte; rechts: originale Glaseinlegeplatte

Objektiv – Grundausstattung

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Objektive des Jenalab-pol d

In der Basisausstattung wurde das Jenalab-pol d mit drei Objektiven ausgeliefert:

  1. Planachromat 2.5x/0.05  oo/-  A pol
  2. Achromat 10x/0.25  oo/-  A pol
  3. Achromat 50x/0.80 oo/0.17 A pol

Zusätzlich konnte der abgebildete Planachromat 20x/0.40. oo/0.17  A pol bestellt werden.

Nach dem Einschrauben der Objektive in den Objektivrevolver müssen diese zunächst zentriert werden. Dazu werden zwei Innenvierkantschlüssel benötigt.

Durch eine schnelle Drehung des Tisches wird das Drehzentrum klar erkennbar, da sich dort aufgrund der geringsten Drehgeschwindigkeit der einzige nicht verschwommene Punkt befindet. Dann verschiebt man das Objektiv mittels der Innenvierkantschlüssel ins Zentrum, so das die optische Achse des Objektivs und die Drehachse des Tisches paraaxial ausgrichtet sind.

Die Abbildungsleistung der Standardachromate ist ausgezeichnet. Mit einem Handy wurden durch das Okular P 10x (18) Brille folgenden Fotos aufgenommen:

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Planachromat 2.5x/0.05 oo/- A pol (Carl Zeiss Jena)
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Achromat 10x/0.25 oo/- A pol (Carl Zeiss Jena)
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Achromat 50x/0.80 oo/0.17 A pol (Carl Zeiss Jena)

Kompensatoren

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Lambda-, Lambda/4- und Keilkompensator 0-4 Lambda (Carl Zeiss Jena)

Zum Lieferumfang gehörten die Lambda- und Lambda/4-Kompensatoren mit der recht verbreiteten 6×20 mm Abmessung. Diverse andere Kompensatoren waren darüber hinaus erhältlich.

Im nächsten Teil gehts um die Auflichtvariante das Jenalab-pol u.